Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF)

Ziel der Integrationspolitik ist es, Menschen mit Migrationshintergrund gleiche Chancen auf Bildung und Aufstieg, persönliche Entfaltung, auf berufliche und gesellschaftliche Teilhabe zu bieten und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Der Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) deckt mit seinen Schwerpunkten "Gemeinsames Europäisches Asylsystem", "Integration von Drittstaatsangehörigen und legale Migration" sowie "Rückkehr" im Wesentlichen die Bereiche ab, die bisher durch den Europäischen Flüchtlingsfonds (EFF), den Europäischen Integrationsfonds (EIF) und den Europäischen Rückkehrfonds (RF) gefördert wurden. Der AMIF fördert die Teilnahme von Zuwanderern aus Nicht-EU-Staaten am ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Leben. Migration leistet einen wertvollen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der EU und ist wichtig, um zukünftige Herausforderungen wie den demografischen Wandel und Arbeitskräftemangel anzugehen.
Der AMIF unterstützt Maßnahmen auf europäischer und nationaler Ebene, die die Integration von Drittstaatsangehörigen mit unterschiedlichen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen, religiösen, sprachlichen und ethnischen Hintergründen in die Gesellschaft fördern. In erster Linie geht es dabei um die Unterstützung von neu zugewanderten Drittstaatsangehörigen. Die Mitgliedstaaten der EU und zivilgesellschaftliche Organisationen werden beim Ausbau ihrer Kapazitäten unterstützt, Integrationsstrategien, -leitlinien und -maßnahmen zu entwickeln, umzusetzen, zu überwachen und zu evaluieren. Die Maßnahmen sollen neben der Verbesserung der Chancengerechtigkeit für Drittstaatsangehörige in den Bereichen Bildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe auch der Etablierung einer Willkommens- und Anerkennungskultur dienen.

 

Eckdaten

Wer kann beantragen?

Teilnehmen können u.a. nationale, regionale und lokale Behörden in den Mitgliedstaaten (außer Dänemark), internationale Organisationen, Nichtregierungsorganisationen, zivilgesellschaftliche Organisationen, Forschungseinrichtungen.

Was wird gefördert?

Die Umsetzung des AMIF erfolgt über Nationale Programme. Das Nationale Programm für Deutschland, das die inhaltliche Ausrichtung für die Förderperiode 2014 bis 2020 beschreibt, wurde mit Beschluss vom 19.03.2015 von der EU-Kommission genehmigt.
Es gibt drei spezifische Ziele: Asyl, Integration/legale Zuwanderung und Rückkehr
Von besonderer Bedeutung für die Kultur ist der Bereich Integration. Hier können u.a. gefördert werden:

  • Maßnahmen zur Heranführung von Drittstaatsangehörigen an die Aufnahmegesellschaft, zu ihrer Einbindung in das bürgerliche und kulturelle Leben
  • Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen, auch Sprachschulung und vorbereitende Maßnahmen zur Erleichterung des Eintritts in den Arbeitsmarkt
  • Verbesserung der Sprachvermittlung (z.B. Entwicklung und Einführung von standardisierten Konzepten für vorgeschalteten Sprachunterricht an Schulen, um Quereinsteigern den schnellstmöglichen Anschluss an das Regelsystem zu ermöglichen sowie eine höhere Quote von Schulabschlüssen zu erreichen);
  • Kompetenzförderung von Eltern (z.B. durch gezielte Informationsvermittlung, durch Aufbau eines Bundeselternnetzwerks sowie durch den Einbezug von Migrationsorganisationen)
  • Verbesserung der beruflichen Orientierung und Kompetenzentwicklung von jugendlichen Zuwanderern
  • Projekte zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements

Bewilligungskriterien

Im Rahmen der Projektkonzeption sind insbesondere der EU-Mehrwert und die Übereinstimmung mit den Zielen des Nationalen Programms wichtig. Innerhalb des Antragsverfahrens werden zusätzlich zur Projektkonzeption, Erfahrung und Qualifikation des Antragstellers sowie die wirtschaftliche Verwendung der Finanzmittel bewertet.

Finanzielle Aspekte

Das Programmbudget umfasst für die siebenjährige Programmlaufzeit 3,14 Mrd. Euro. Der Großteil der Finanzmittel fließt mit einem Umfang von 2,39 Mrd. Euro in die Umsetzung der nationalen Programme der EU-Mitgliedstaaten.

Antrags- und Auswahlverfahren

In Deutschland wird der „AMIF“ durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) umgesetzt. Aufforderungen zur Einreichung von Projektanträgen werden hier veröffentlicht.
Neu im Auswahlverfahren sind eine Antragstellung und ein Zuwendungsverfahren über ein elektronisches System, eine Vereinfachung der Auszahlung durch Mittelanforderungsverfahren sowie ein maximaler Förderbeitrag von bis zu 75 Prozent. Der Antrag muss sowohl elektronisch über das AMIF-Portal, als auch schriftlich beim BAMF erfolgen. Vor der Antragstellung muss eine Anmeldung im AMIF-Registrierungsportal stattfinden.

Rechtsgrundlage

Verordnung (EU) Nr. 516/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. April 2014 zur Einrichtung des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds, Amtsblatt der Europäischen Union Nr. L 150 vom 20. Mai 2014, S. 168.

 

Links & Kontakte

Kontakt/Beratung in Deutschland

Europäische Kommission
Generaldirektion Migration und Inneres (DG HOME)
Rue de Luxembourg 46
B-1000 Brüssel
Tel.: 00 800 - 6 7 8 9 10 11
E-Mail: home-isec@ec.europa.eu
Internetseite

Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
Abteilung Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds
Frankenstraße 210
90461 Nürnberg
Ansprechpartner
Internetseite

Kontakt/Beratung in Österreich

Europäische Kommission
Generaldirektion Migration und Inneres (DG HOME)
Rue de Luxembourg 46
B-1000 Brüssel
Tel.: 00 800 - 6 7 8 9 10 11
E-Mail: home-isec@ec.europa.eu
Internetseite

Österreichischer Integrationsfonds
Team Förderungen, Finanzen und Controlling
Schlachthausgasse 30
1030 Wien
Tel.: +43 1 7101203 100
Ansprechpartner:
Markus Kovacs, E-Mail: markus.kovacs@integrationsfonds.at
Internetseite

Projektbeispiele

BUNT IST KULTur

Das Projekt "BUNT IST KULTur - Initiative zur interkulturellen Begegnung und Vielfalt im Märkischen Kreis" hat sich zum Ziel gesetzt, "Spiel-Räume" zu schaffen, in denen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft begegnen und kreativ werden können. In allen 15 Städten und Gemeinden des Kreises sollen Workshops, Projekte und Veranstaltungen stattfinden, die die kulturelle Vielfalt im Märkischen Kreis aufzeigen und Menschen unterschiedlicher Herkunft neugierig aufeinander zugehen lassen. Dies soll mit Musik, Literatur, bildender und darstellender Kunst erreicht werden.
Koordiniert wird das Projekt vom Märkischen Kreis, Partner sind die AWO Unterbezirk Hagen, die Caritas Iserlohn, die Diakonie Mark-Ruhr und der Evangelische Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg.

Laufzeit: 2012-2015
Fördersumme: 158.943 Euro
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*peppa - Interkulturelles Mädchenzentrum

*peppa  - Das Interkulturelle Mädchenzentrum versteht sich als ein Ort der Ankunft und interkulturellen Begegnung für junge Migrantinnen, insbesondere Neuzuwanderinnen, in einer kommunalen Einbindung im 16. Wiener Gemeindebezirk.
Anliegen von *peppa ist Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund im Alter von 10 bis 20 Jahren als erste Anlaufstelle zu dienen und diese in sämtlichen gesellschaftlichen und sozialen Bereichen zu beraten und zu begleiten. Der niederschwellige Zugang und das speziell für die Zielgruppe attraktive Freizeitangebot erleichtert das Erreichen der (sonst schwer erreichbaren) Zielgruppe und somit in weiterer Folge die integrative Arbeit. Das Beratungs-, Bildungs-, Freizeit- und Informationsangebot bezieht sich auf die spezifischen Bedarfslagen der junger Migrantinnen und hat zum Ziel Ungleichheiten abzubauen, Geschlechtergleichberechtigung zu fördern und die aktive Einbindung junger Migrantinnen in die Aufnahmegesellschaft zu unterstützen.

Laufzeit: 2011
Fördersumme: 65.000 Euro
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Dialog - Kultur

Das Projekt "Dialog - Kultur" wurde vom Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge e.V. in Düsseldorf durchgeführt und im Rahmen des Nationalen Programms (Deutschland) gefördert.
Ziel des Projektes war die Initiierung von Dialogen zwischen Angehörigen der Aufnahmegesellschaft und Zuwanderern und richtet sich dabei primär an MultiplikatorInnen, die in gesellschaftlichen Bereichen tätig sind, wo interkulturelle Kommunikation eine Rolle spielt. "Dialog - Kultur" gliedert sich in drei Module. Im Rahmen des ersten Moduls "Interkulturelle Sensibilisierung der Aufnahmegesellschaft" wurden z.B. Infoveranstaltungen und Schulungen zu interkultureller Kompetenz für Mitarbeiter von Behörden im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen durchgeführt. Die Schaffung eines Trauerortes in Düsseldorf für Menschen aus allen Kulturen, die Ihre Toten nicht vor Ort betrauern können war Bestandteil des zweiten Moduls "Interkultureller/interreligiöser Dialog". Im dritten Modul "Medienkompetenzen für Zuwanderer und Integration in den Medien" wurden u.a. Workshops zum Umgang mit den Medien in Deutschland durchgeführt. Die TeilnehmerInnen besichtigten das WDR-Funkhaus in Düsseldorf und hatten die Chance selbst Journalisten zu interviewen.

Laufzeit: 2008-2011
Fördersumme: 53.510 Euro
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Stadtteilmütter auf den Spuren der Geschichte

Im Mittelpunkt des Projekts "Stadtteilmütter auf den Spuren der Geschichte" standen die Förderung des interkulturellen Dialogs und die zivilgesellschaftliche Teilhabe von Migrantinnenan der deutschen Einwanderungsgesellschaft. In einer Seminarreihe setzten sich die Migrantinnen mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinander. Die Initiative war von den Frauen selbst ausgegangen, die als Familienberaterinnen mit Migrationshintergrund, sogenannte Stadtteilmütter, in Berlin aktiv sind. Sie wollten mehr über das Thema Nationalsozialismus wissen, um vor allem ihren Kindern Fragen beantworten zu können, die sich im Geschichtsunterricht mit dem Thema befassen. Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Berlin führte gemeinsam mit dem Diakonischen Werk Neukölln-Oberspree die Seminare durch. Durch das Seminar sollte vermittelt werden, wie der Nationalsozialismus als politisches und gesellschaftliches System funktionieren konnte, ob und wie es Kontinuitäten in der aktuellen deutschen Gesellschaft gibt und wo diese Geschichte heute noch sichtbar und spürbar ist. Die Seminarreihe umfasste zehn Termine und eine Wochenendfahrt. Die Teilnehmerinnen führten Gespräche mit Zeitzeugen und ihren Nachkommen, besuchten Gedenkstätten und setzten sich durch filmisches und schriftliches Material mit dem Thema Nationalsozialismus auseinander. Auch ihre eigenen Erfahrungen mit Migration und Ausgrenzung brachten sie in das Seminar mit ein. Im Rahmen des Projekts wurde eine Broschüre erstellt, in der 14 Stadtteilmütter von ihren Erfahrungen mit der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit berichten. 2011 wurde ein Film erstellt, der drei Stadtteilmütter aus Berlin bei ihrer Begegnung mit Zeitzeugen und beim Besuch der Gedenkstätten begleitet.

Laufzeit: 2008-2011
Fördersumme: 78.220 Euro
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