Kreativwirtschaft in der Europäischen Union

Die Bedeutung der Kreativwirtschaft in der Europäischen Union nimmt immer stärker zu. Kultur- und Kreativwirtschaft sind nicht nur ein Ausdruck der kulturellen Vielfalt, sondern bilden einen der dynamischsten Wirtschaftssektoren in Europa. Die Branche steht aufgrund der Digitalisierung und Globalisierung vor neuen Herausforderungen. Vor allem kleine und mittlere Kultur- und Kreativunternehmen stoßen dabei oft auf – finanzielle – Hindernisse und können ihr Potenzial dadurch nicht vollständig ausschöpfen.

  

COSME

Das Programm COSME (Programme for the Competitiveness of Enterprises and Small and Medium-sized Enterprises, SMEs), das vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) unterstützt, zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der EU-Unternehmen zu stärken, den Unternehmergeist und die Gründung und Entwicklung von KMU zu fördern sowie die Probleme beim Zugang zu Finanzierungsquellen zu lindern. COSME stellt Gelder für KMU bereit und soll den Marktzugang für KMU sowohl innerhalb der Union als auch auf globaler Ebene verbessern. Unternehmer sollen durch bessere Rahmenbedingungen unterstützt und Neugründungen und Expansionen von Unternehmen sollen durch die Bereitstellung von zinsgünstigem Wagniskapital und Garantien erleichtert werden.

Profitieren sollen:

  • Unternehmen (KMU) aufgrund eines leichteren Zugangs zu Geschäftsfinanzierungen,
  • Geschäftsneugründungen durch Unterstützung bei der Gründung und Firmenentwicklung,
  • öffentliche Behörden durch eine verbesserte Unterstützung effektiver wirtschaftspolitischer Reformen.

Darüber hinaus fördert COSME das Beratungs- und Unterstützungsnetzwerk Enterprise Europe Network (EEN), dessen Kontaktstellen KMU Hilfestellung beim Zugang zu EU-Förderprogrammen sowie einen besseren Zugang zu ausländischen Märkten bieten.

 

AKTUELL: COSME Ausschreibung: „European incubation networks for creativity-driven innovation”
Im Rahmen dieser Ausschreibung werden transnationale Netzwerke zur Unterstützung kleiner und mittelständischer Unternehmen sowie Start-Ups aus den Bereichen Mode und Tourismus gesucht. Gefördert werden Aktivitäten, die zur innovativen Unternehmensentwicklung beitragen und künstlerische und kreative Skills aus der Kreativwirtschaft mit neuen Ansätzen aus Technologie und Wissenschaft verbinden. Gemeinnützige Organisationen, Behörden und Unternehmen sind antragsberechtigt. Sie können sich als Konsortien aus mindestens vier Partnern aus mindestens drei teilnahmeberechtigten Ländern bis zum 19. Oktober für eine Förderung bewerben.

   

Eckdaten

Wer kann beantragen?

Antragsberechtigt sind Rechtssubjekte aus allen EU-Ländern, EFTA-Ländern, die Mitglieder des EWR sind, Beitrittsländern, Bewerberländern und potentiellen Bewerbern, europäischen Nachbarschaftsländern und anderen europäischen Ländern, wenn Abkommen dies zulassen.

Was wird gefördert?

In jährlichen Arbeitsprogrammen zur Durchführung des COSME-Programms werden die zu finanzierenden Maßnahmen, die Prioritäten, Teilnahmevoraussetzungen und Beteiligungsregeln festgelegt.

Sie gliedern sich in vier Bereiche:

  • Zugang der KMU zu Finanzierungsmitteln über Kredit- und Eigenkapitalfazilitäten
  • Marktzugang, innerhalb der Union, aber auch auf globaler Ebene (insb. Internationalisierung der KMU, die Erleichterung von Unternehmensausweitung und grenzüberschreitenden Partnerschaften)
  • Rahmenbedingungen für Unternehmen (Förderung der Umsetzung der KMU-Politik der EU)
  • Unternehmergeist und Unternehmenskultur (Förderung der unternehmerischen Initiative)

Im Rahmen der Arbeitsprogramme werden jährlich verschiedene theamtische Ausschreibungen von der Exekutivagentur für kleine und mittlere Unternehmen (EASME) veröffentlicht. Für kulturelle Projekte besonders relevant sind Ausschreibungen im Bereich Tourismus.

Der beispielsweise im Jahr 2017 veröffentlichte Call in der Rubrik Tourismus [COS-TOURCCI-2017-3-03: Supporting the promotion and development of transnational thematic tourism products linked to cultural and creative industries (Deadline: 29. Juni 2017, 17:00 (Brüssler Zeit)] zielt auf die Förderung von transnationalen Tourismusprodukten, die in Verbindung mit dem Sektor "Kulturelles Erbe" stehen. Die aktuellen Ausschreibungen mit ihren jeweiligen Fördermaßnahmen finden Sie auf der Homepage der Exekutivagentur.

Bewilligungskriterien

Die Fördermittel aus COSME werden über sogenannte Finanzintermediäre bereitgestellt, d.h. sie können nicht direkt von den Unternehmen beantragt werden. Die Finanzierungsinstrumente müssen durch nationale Finanzinstitutionen beim Europäischen Investitionsfonds für passende eigene Förderprogramme abgerufen werden. Solche Institutionen sind beispielsweise die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) oder die Landesförderbanken.

Finanzielle Aspekte

Das Gesamtbudget für die Laufzeit 2014-2020 beträgt 2,3 Mrd. Euro.

Antrags- und Auswahlverfahren

Die Finanzinstrumente werden direkt von lokalen Banken oder Risikokapitalfonds verwaltet. Antragsteller müssen mit diesen Geldgebern in Kontakt treten, es gibt dabei keine EU-weiten Fristen für Anträge.

Rechtsgrundlage

Verordnung (EU) Nr. 1287/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2013 über ein Programm für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und für kleine und mittlere Unternehmen (COSME) (2014-2020) und zur Aufhebung des Beschlusses Nr. 1639/2006/EG, Amtsblatt der Europäischen Union Nr. L 347 vom 20. Dezember 2013, S. 33.

   

Links & Kontakte

Kontakte/Beratung Deutschland

Europäische Kommission
Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU
BREY 13/092
BE-1049 Brüssel
E-Mail: EASME-COSME-ENQUIRIES@ec.europa.eu
Internetseite

Kontakt/Beratung in Österreich

Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG)
Nationale Kontaktstelle KMU
Sensengasse 1
A-1090 Wien
Tel.: +43 5 7755 0
E-Mail: office@ffg.at
Internetseite

Projektbeispiele

Projekte (2014-2020)

Chocolate Heritage in European Life and Identity – The European Chocolate Way

Tübinger Marktplatz zur chocolART
©Alexander Gonschior

Das Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Vermarktung einer neuen europäischen Reiseroute, die die Tourismusbranche und die Schokoladenindustrie des oberen Marktsegments aus sechs europäischen Mitgliedsstaaten (Spanien, Italien, Frankreich, Vereinigtes Königreich (UK), Belgien und Deutschland) zusammenbringt. Deutscher Partner ist die Tübingen Erleben GmbH.

Wichtige Stufen der Wertschöpfungskette in den europäischen Ländern werden offen gelegt: Der Weg der Schokolade als neue Reiseroute, die die Geschichte der Kakaobohne mit der europäischen Lebensart von heute verbindet. Vor dem Hintergrund der wachsenden Nachfrage sowohl nach Wellness- und Tourismus-Dienstleistungen als auch nach Luxusgütern wird ein hoher qualitativer Standard des Produkts Schokolade und seine kreative Verwendung in der Lebensmittelindustrie immer wichtiger.

Die High-End-Produktion, welche das CHIELI-Projekt verbessern möchte, lässt sich nicht notwendiger Weise an dem Preis, sondern vielmehr an dem Qualitätskonzept (Rohmaterial, Prozess der Produktion), am Design und der Bindung an die lokalen Interessenten, die das Produkt mit ihren Wünschen mitgestalten, festmachen. Durch die Entwicklung des „European Chocolate Way“ entsteht ein Netzwerk von privaten Firmen, Organisationen und öffentlichen Behörden, die das europäische Erbe und den kulturellen Austausch in Zusammenhang mit der auf Schokolade basierten High-End-Produktion vorantreiben. Das CHIELI-Projekt arbeitet gezielt auf die Gestaltung eines Tourismus-Produktes hin, welches die Wertschöpfungskette berücksichtigt und damit sicher geht, dass das europäische Reisekonzept auf die Wünsche und Erwartungen der meisten Touristen zugeschnitten wird. Mit seinen Zielen trägt der European Chocolate Way zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und zum nachhaltigen Wachstum des Tourismus-Sektors in Europa bei, indem direkt oder indirekt, günstige Rahmenbedingungen für die Entwicklung von KMU in diesem Sektor etabliert und transnationale Kooperationen gefördert werden.

Programmbereich: COSME, Maximising synergies between tourism, high-end and creative industries
Laufzeit: 2015-2016
Fördersumme: 399.422 Euro
Weitere Informationen