Europäische Bürgerschaft

Die Stärkung und Förderung der Unionsbürgerschaft erfolgt über das Programm "Europa für Bürgerinnen und Bürger". Ziel der Fördermaßnahmen ist es, den Bürgerinnen und Bürgern ein Verständnis von der Europäischen Union, ihrer Geschichte und ihrer Vielfalt zu vermitteln und die Bedingungen für eine aktive europäische Unionsbürgerschaft zu verbessern. Dies soll u.a. dadurch erreicht werden, dass das gesellschaftliche und interkulturelle Engagement der Bürgerinnen und Bürger von der Europäischen Kommission unterstützt und ihnen damit die Möglichkeit eingeräumt wird, sich am Zusammenwachsen Europas aktiv zu beteiligen.

Europa für Bürgerinnen und Bürger

Mit dem Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ möchte die EU Behörden, Organisationen, Vereine und Verbände und ihre Projekte unterstützen, die dazu beitragen, dass die Bürger/innen mehr über die EU und politische Entscheidungsprozesse in der Union wissen, ein Bewusstsein für die gemeinsame europäische Geschichte und die gemeinsamen Werte entwickeln, sich an der Gestaltung der EU beteiligen und sich gesellschaftlich und interkulturell engagieren. Das Programm ist in drei Programmbereiche unterteilt: "Europäisches Geschichtsbewusstsein", "Demokratisches Engagement und Bürgerbeteiligung" sowie die bereichsübergreifende Aktion "Valorisierung".

Im ersten Bereich werden Maßnahmen unterstützt, die ein Nachdenken über europäische Werte anregen und die Auseinandersetzung mit den Ursachen totalitärer Regime und anderen wichtigen Momenten in der neueren Geschichte Europas, die die Entstehung der EU bedingt oder entscheidend geprägt haben, fördern.

Im zweiten Bereich werden Bürgerbegegnungen im Rahmen kommunaler Partnerschaften, die Vernetzung von Städten sowie Kooperationsprojekte von Vereinen, Verbänden und anderen Organisationen der Zivilgesellschaft unterstützt, die die Auseinandersetzung mit der EU und den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen in Europa anregen.

Der dritte Programmbereich unterstützt Initiativen, die die Übertragbarkeit von Ergebnissen steigern. Im Rahmen des dritten Programmbereichs finanziert die Europäische Kommission Großveranstaltungen. Für diesen Programmbereich ist keine Antragstellung möglich.

Im Programmleitfaden werden die Ziele, die Teilnahmevoraussetzungen, die Gewährungskriterien sowie die Fördermodalitäten aller Förderbereiche des Programms »Europa für Bürgerinnen und Bürger« detailliert erläutert.

 

Kulturförderung im Bürgerschaftsprogramm

Sowohl im ersten als auch im zweiten Förderbereich des Programms »Europa für Bürgerinnen und Bürger« können Projekte mit Kulturbezug verwirklicht werden.

TIPP: Weiter unten auf dieser Seite finden Sie Beispiele von Projekten mit Kulturbezug, die durch das Bürgerschaftsprogramm gefördert wurden und werden.

 

Eckdaten

Wer kann beantragen?

Generell gilt für alle Fördermaßnahmen: Antragsteller und Partner müssen einen eigenen Rechtsstatus haben, nicht-gewinnorientiert sein und ihren Sitz in einem der 28 Mitgliedstaaten oder in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, Montenegro oder Serbien haben. TeilnehmerInnen dürfen ebenfalls aus den genannten Ländern kommen.  

Für die einzelnen Fördermaßnahmen gelten darüber hinaus weitere Vorgaben:

Programmbereich 1, Europäisches Geschichtsbewusstsein: Öffentliche lokale/regionale Behörden oder Organisationen ohne Erwerbszweck, einschließlich zivilgesellschaftlicher Organisationen, Überlebendenverbände, Kultur-, Jugend-, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie Verbände von Städtepartnerschaften können einen Antrag stellen bzw. Partner werden.

Programmbereich 2, Städtepartnerschaften: Städte/Gemeinden oder deren Partnerschaftsausschüsse oder andere Organisationen ohne Erwerbszweck, die lokale Behörden vertreten können Antragsteller und Partner sein.

Programmbereich 2, Vernetzung von Partnerstädten: Städte/Kommungen oder deren Partnerschaftsausschüsse oder Netzwerke, andere lokale und regionale Verwaltungsebenen, lokale Gemeindeverbände, Organisationen ohne Erwerbszweck in Vertretung lokaler Behördern können Antragsteller und Partner sein. Darüber hinaus können auch zivilgesellschaftliche Organisationen ohne Erwerbsweck als Partner auftreten.

Programmbereich 2, zivilgesellschaftliche Projekte: Organisationen ohne Erwerbszweck, einschließlich zivilgesellschaftlicher Organisationen, Bildungs-, Kultur- und Forschungseinrichtungen können Antragsteller sowie Partner sein. Darüber hinaus können öffentliche lokale/regionale Behörden oder Organisationen ohne Erwerbszweck, Städtepartnerschaftsausschüsse und Netzwerke als Partner agieren.

Was wird gefördert?

Programmbereich 1, Europäisches Geschichtsbewusstsein: Gefördert werden Projekte, die sich mit Ursachen totalitärer Regime befassen, dem Gedenken an die Opfer von Nationalsozialismus und Stalinismus dienen sowie andere Schlüsselmomente der jüngeren europäischen Geschichte aufarbeiten, die die Entstehung der Gemeinschaft bedingt oder entscheidend geprägt haben.

Programmbereich 2, Städtepartnerschaften: Gefördert werden angebahnte oder bestehende Partnerschaften, auch Freundschaften und andere partnerschaftliche Beziehungen zwischen Kommunen, die im Rahmen einer Bürgerbegegnungen gemeinsam an einem Thema von europäischer Relevanz arbeiten.

Programmbereich 2, Vernetzung von Partnerstädten: Gefördert werden Aktivitäten zu einem kommunalpolitischen Thema mit Europa-Bezug. Die Veranstaltungen sollen sich an bestimmte Zielgruppen richten, für die das gewählte Thema wichtig ist sowie eine Basis für künftige Initiativen und Aktionen sein.

Programmbereich 2, zivilgesellschaftliche Projekte: Gefördert werden Projekte, die einen Bezug zu den Politiken der Europäischen Union haben und den Teilnehmern die Möglichkeit geben, konkret an den politischen Entscheidungsprozessen teilzuhaben.

Bewilligungskriterien

Programmbereich 1, Europäisches Geschichtsbewusstsein: An jedem Projekt müssen Organisationen aus mindestens einem Mitgliedstaat teilnehmen. Vorrang erhalten transnationale Projekte.

Programmbereich 2, Städtepartnerschaften: An einem Projekt müssen Kommunen aus mindestens zwei förderfähigen Ländern – mindestens eines davon ein EU-Mitgliedstaat – beteiligt sein sowie mindestens 25 eingeladene Personen teilnehmen. Eingeladene Personen sind diejenigen, die in die das Projekt durchführende Partnerstadt anreisen.

Programmbereich 2, Vernetzung von Partnerstädten: An einem Projekt müssen Kommunen/Organisationen aus mindestens vier förderfähigen Ländern – mindestens eines davon ein EU-Mitgliedstaat – beteiligt sein. Pro Projekt müssen mindestens vier Veranstaltungen durchgeführt werden.

Programmbereich 2, zivilgesellschaftliche Projekte: An einem Projekt müssen Organisationen aus mindestens drei förderfähigen Ländern – mindestens eines davon ein EU-Staat – beteiligt sein. Ein Projekt muss mindestens zwei der drei folgenden Handlungsfelder betreffen:

  • Förderung von gesellschaftlichem Engagement und Solidarität
  • Debatten zur Meinungsbildung und Formulieren von Meinungen
  • Reflexion über und Anregung zu Freiwilligentätigkeit

Finanzielle Aspekte

Das Gesamtbudget für die Programmperiode 2014-2020 beträgt 185,4 Mio. Euro. Davon entfallen etwa 37,2 Mio. Euro auf den ersten Programmbereich, 111,6 Mio. Euro auf den zweiten Programmbereich und 18,6 Mio. Euro auf Programmbereich 3.

Antrags- und Auswahlverfahren

Die Fördermaßnahmen des Programms »Europa für Bürgerinnen und Bürger« haben unterschiedliche Einreichfristen. Sie hängen mit dem Start oder dem Durchführungszeitraum Ihres Projekts zusammen. Eine tabellarische Übersicht der Antragstermine finden Sie auf den Homepages der Nationalagenturen (siehe Kontakt/Beratung).

Die aktuellen Ausschreibungen für die einzelnen Fördermaßnahmen des Programms »Europa für Bürgerinnen und Bürger« (2014–2020) finden Sie auf der Internetseite der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA).

Bei der Antragstellung handelt es sich um ein Online-Verfahren. Sowohl Antragsteller als auch Partner müssen sich im Registrierungsportal der Europäischen Kommission (European Commission Authentication Service - ECAS) sowie im Participant´s Portal anmelden, um einen so genannten PIC (Personal Identification Code) zu erhalten. Erst danach ist die Generierung des Antragsformulars möglich. Die Anträge werden über eine Funktion im Antragsformular direkt elektronisch bei der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) eingereicht.
In Abhängigkeit zum Beginn der Maßnahme sind Antragsfristen einzuhalten, die im Programmleitfaden genannt werden.

 

 

Rechtsgrundlage

Verordnung (EU) Nr. 390/2014 des Rates vom 14. April 2014 über das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“, Amtsblatt der Europäischen Union Nr. L115 vom 17. April 2014, S. 3.

 

Links & Kontakte

Allgemeine Informationen

Programmleitfaden

Programm-Website der EACEA

Bürgerschaftsportal der Europäischen Kommission

Kontaktstelle Deutschland „Europa für Bürgerinnen und Bürger“

Partnersuche über das Twinning-Portal des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE)

Kontakt/Beratung Deutschland

Nationale Kontaktstelle Deutschland

„Europa für Bürgerinnen und Bürger“
bei der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.
Weberstraße 59a
53113 Bonn
Tel.: 0228 2016721
E-Mail: info@kontaktstelle-efbb.de
Internet


Kontakt/Beratung Österreich

Nationale Kontaktstelle Österreich

 

Europe for Citizens Point Austria

Sanja Corkovic

Bundeskanzleramt

Abt. II/10: Europäische und internationale Kulturpolitik

Concordiaplatz 2, 1010 Wien

Tel.: +43 1 531 15-203695

E-Mail:sanja.corkovic[at]bka.gv[dot]at

Internet

Projektbeispiele

Projekte (2014-2020)

Sound in the Silence

© Marcin Oliva Soto

Im September 2015 trafen sich 30 Jugendliche aus Hamburg, Legnica (PL) und Budapest (HU) im Rahmen des Erinnerungs- und Verständigungsprojekts »Sound in the Silence« in Danzig. Unter der Koordination des »European Network of Remembrance and Solidarity« (ENRS), das dem nationalen Zentrum für Kultur (PL) angegliedert ist, sollten junge Menschen durch neue Formen der Erinnerungsarbeit einen individuellen und empathischen Zugang zu historischen Ereignissen erhalten. Die jugendlichen Teilnehmenden beschäftigten sich in Workshops für Tanz, Theater, Singer-Songwriter, Musik-Percussion und Creative Writing mit der Geschichte der Grenzgebiete zwischen Deutschland und Polen. Der thematische Fokus lag dabei insbesondere auf dem Zweiten Weltkrieg als tragischem und gewalttätigen Moment der Weltgeschichte und der Solidarnosc-Bewegung in Polen. Ausgehend von einer Streikbewegung 1980 wirkte die freie Gewerkschaft Solidarnosc entscheidend an den Aufbrüchen in Osteuropa und dem damit verbundenen politischen Wandel in Europa mit. An verschiedenen Gedenkstätten wurden die Jugendlichen mit diesen Momenten der europäischen Geschichte konfrontiert und entwickelten aus ihren Eindrücken Lieder, Filme und Theaterstücke, die sie am Ende der Projektwoche einem Publikum von 80 Menschen aus den vier beteiligten Ländern vorführten. Während des Treffens entstand außerdem eine Dokumentation, die im Sommer 2016 als Film in deutscher und englischer Sprache erscheinen wird.
Das Hamburger Stadtteil- und Kulturzentrum MOTTE e.V. ist Partner in dem Projekt. Mit drei Vorgänger-Projekten hatte die MOTTE 2011 und 2013 diese Form der Erinnerungsarbeit bereits erprobt und brachte ihre Erfahrungen in das EU-Projekt ein.

Förderbereich: 1 - Europäisches Geschichtsbewusstsein
Laufzeit: 2015-2016
Fördersumme: 40.000 Euro
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Bridging Generations

Wie kann man die kollektive Erinnerung für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft in Europa nutzen? Dies war die Ausgangsfrage für das Geschichtsprojekt »Bridging Generations«.

Unter der Koordination des Vereins Jugend- und Kulturprojekt e.V. aus Dresden sind an dem Projekt die Landeshauptstadt Dresden, die Stadtverwaltung Kistarcsa (HU), das Kulturzentrum der Gemeinde Olesnica (PL), die Nichtregierungsorganisation YouNet (IT), die Aristotelis-Universität Thessaloniki (GR) sowie Addart Thessaloniki (GR) beteiligt. Das Projektkonsortium möchte den Austausch zwischen jungen und älteren Menschen über den Zweiten Weltkrieg fördern und so der jungen Generation den Zugang zu Wissen über totalitäre Strukturen eröffnen. Neben Studenten der Fächer Soziologie, Cinematografie, bildende Kunst, Journalismus und Geschichte sowie Senioren aus Ländern, die totalitäre Regime und Besetzung erlebt haben, sind Wissenschaftler/innen und Journalist/innen beteiligt. In mehreren Veranstaltungen, darunter Konferenzen, Forschungstreffen und Studienbesuche in Dresden, Breslau und Thessaloniki, befassen sie sich, ausgehend von den Erfahrungen der Älteren mit dem Zweiten Weltkrieg, mit Vertreibung und Migration. Neben Gesprächen, Diskussionsrunden und Zeitzeugeninterviews findet auch eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sowie mit aktuellen Formen der Gedenkkultur statt. Die Ergebnisse werden in Form einer Ausstellung und einer Performance der Öffentlichkeit präsentiert.

Förderbereich: 1 - Europäisches Geschichtsbewusstsein
Laufzeit: 2014-2016
Fördersumme: 97.750 Euro
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Offene Grenzen. Deutsch-französisches Künstlerprojekt 2014

© Jutta Stalfort

Unter dem Titel »Offene Grenzen. Deutsch-französisches Künstlerprojekt 2014« fand im Herbst 2014 eine Bürgerbegegnung unter Koordinierung des Partnerschaftsvereins Bersenbrück-Tinténiac e.V. in Bersenbrück statt. Darüber hinaus wirkten kulturelle Akteure an dem Projekt mit, unter anderem das Kulturzentrum »Krabat« der Samtgemeinde Bersenbrück und der bretonische Verein »L’Art aux champs«.
Das deutsch-französische Künstlerprojekt war eingebettet in eine Bürgerbegegnung, die sich dem 25. Jahrestag des innerdeutschen Mauerfalls widmete und an der insgesamt 332 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Im Mittelpunkt stand die künstlerische Aufarbeitung dieses historischen Ereignisses. Zum einen schufen die Künstlerinnen und Künstler aus beiden Ländern gemeinsame Kunstwerke zur Thematik. Zum anderen arbeiteten sie mit Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen der Region, der Kunstschule sowie der Volkshochschule in kunstpädagogischen Workshops. Die Werke aller Beteiligten wurden in der abschließenden Ausstellung präsentiert. Das Projekt förderte durch die Kommunikation über Kunst den Dialog über Kultur, Identität und Geschichte der Partnerländer und involvierte dabei Menschen aller Altersstufen und mit sehr unterschiedlichen sozialen Hintergründen.

Förderbereich: 2 - Demokratie und Partizipation; 2.1 - Bürgerbegegnungen
Laufzeit: 2014
Fördersumme: 5.000 Euro
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Europe 2038 – Voice of the youth

Wie sehen die Visionen für ein Europa für die jungen Bürgerinnen und Bürger heute aus?
Können junge Menschen vor dem Hintergrund der Finanzkrise oder des religiösen Fanatismus vor Radikalisierung geschützt werden? Das sind einige der vielen Themen um die es im Projekt geht.
Das Projekt „Europe 2038 – Voice of the Youth", also den „Jungen“ in der EU eine (starke) Stimme verleihen, startet Anfang 2016 am Department für Soziale Arbeit der FH Oberösterreich in Linz mit Partnern in sieben europäischen Ländern. Ausgangspunkt des Projektes ist eine Umfrage unter jungen Europäerinnen und Europäern zwischen 15 und 25 Jahren. Die beteiligten Länder sind neben Österreich Albanien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Spanien und Rumänien. Die Meinungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ethnischer, religiöser und kultureller Minderheiten sind dabei besonders interessant. Es geht aber vorwiegend darum, wie sich die junge Bevölkerung ein lebenswertes Leben in der Europäischen Union vorstellt und welche Maßnahmen dafür notwendig sind.
In einer zweiten Phase finden in allen beteiligten Ländern Treffen und Veranstaltungen statt, bei denen Menschen in einer „Multiplikator/innen-Funktion" gestärkt werden sollen.
Am Projekt werden ProfessionalistInnen wie Lehrer/innen, Sozialarbeiter/innen aber auch Freiwillige, die sich in der Jugendarbeit engagieren, teilnehmen.

Förderbereich: 2 - Demokratie und Partizipation; 2.3 - Zivilgesellschaftliches Projekt
Laufzeit: 2016-2017
Fördersumme: EUR 150.000
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Bringing Together Divided Memory. Czechoslovakia, National Socialism and the Expulsion of the German Speaking Population. An Austrian, Czech and Slovakian Oral History and Exhibition Project

Im vielfältigen zeitgeschichtlichen Gedächtnis Europas lassen sich hinsichtlich der deutschsprachigen Bevölkerung Böhmens, Mährens und der Slowakei zwei Erzählstränge unterscheiden, die bis in die jüngste Vergangenheit weitgehend unvereinbar schienen: die Erzählung der aus der ehemaligen Tschechoslowakei Vertriebenen und die Erzählung der Tschechen und Slowaken, die vor allem vom Nationalsozialismus und der Unterdrückung durch die Deutschen handelt. Beide Erzählungen setzen in der wechselseitigen Aufrechnung von Gewalt und Verfolgung die Muster der Nationalismen fort, die in den Jahren von 1938 bis 1947 zu einer Folge humanitärer Katastrophen geführt hatten.

Das Projekt zielt auf eine gemeinsame dreisprachige Erzählung dieser Geschichte und ihrer bis in die Gegenwart reichenden Erinnerung ab, basierend auf biografischen Video-Interviews. Im Filmschnitt werden die österreichische, tschechische und slowakische Narration zu einer einzigen, vielschichtigen Erzählung zusammengeführt. Der Schwerpunkt liegt auf der Erfahrung in erweiterten biografischen Zusammenhängen, einschließlich der Formen des Zusammenlebens in der Tschechoslowakei bis 1938. Besondere Aufmerksamkeit wurde jenen Gruppen gewidmet, die der Einordnung in binäre Positionen widerstreben, etwa den deutschsprachigen Juden und Jüdinnen, zweisprachigen Paaren oder den Deutschsprachigen, die in der Slowakei und in Tschechien blieben.
Durchgeführt wurde das Projekt von der Österreichischen Akademie der Wissenschaft und Partnern aus Österreich, Tschechien und der Slowakei.

Förderbereich: 1 - Europäisches Geschichtsbewusstsein
Laufzeit: 2014-2016
Fördersumme: 100.000 Euro
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Projekte (2007-2013)

Haus der 1000 Namen

Ziel des Projektes "Haus der 1000 Namen" (HAUS) war es, einen Ort der Erinnerung für bisher unbekannte ehemalige Häftlinge des KZ Leonberg zu schaffen. Während eines einwöchigen Jugendcamps im April/Mai 2013 haben sich 315 Schülerinnen, Schüler und Auszubildende in der KZ-Gedenkstätte Leonberg mit dem Thema Vernichtung durch Arbeit auseinandergesetzt. Dafür sprachen sie u.a. mit Zeitzeugen und gestalteten gemeinsam mit dem Bildhauer Johannes Kares eine Skulptur. Die Jugendlichen haben die Namen von 986 bisher unbekannten Männern, die während des Zweiten Weltkriegs im KZ Leonberg gefangen waren, in Stahltafeln geschlagen. Eingehängt in die Skulptur "das Haus" ergänzen diese Tafeln die Namenswand der KZ-Gedenkstätte. Für bisher Vergessene entstand so ein Ort der Erinnerung.
Durchgeführt wurde das Projekt von der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg e.V. und fünf Partnern aus Ungarn, Polen, Frankreich, Italien und Deutschland, die sich u.a. damit beschäftigen, Informationen über das Leben der ehemaligen Häftlinge zu recherchieren.

Laufzeit: 2012-2014 (Aktion 4 – Erinnern und Gedenken)
Fördersumme: 23.800 Euro

Europäisches Bürgerradio

Unter dem Motto "Demokratie - regionale Besonderheiten - gemeinsame Vielfalt" will das Europäische Bürgerradio seinen Hörerinnen und Hörern Europa näherbringen und ihnen die Teilnahme am europäischen Integrationsprozess ermöglichen. In zwei Workshop-Camps in Jena (DE) und Tamasi (Ungarn) sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich, Ungarn und Albanien im Rahmen der Radioproduktion das Gastgeberland und seine Menschen kennenlernen, Sprachbarrieren überwinden und kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen. Entstehen sollten gemeinsame Radiobeiträge, die im Thüringer Bürgerrundfunk ausgestrahlt und auf der entstehenden Website als Podcast veröffentlicht wurden.
Koordiniert wurde das Bürgerradio-Projekt von den beiden deutschen Partnern Citizen Radio OK-J und der Überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft mit Sitz in Jena/Thüringen, Partner waren das Campus Radio Lille aus Frankreich, die ungarische Fachschule in Tamasi und die albanische Organisation Sanus.

Laufzeit: 2012-2014 (Aktion 2 – Zivilgesellschaft stärken)
Fördersumme: 111.113 Euro
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Civil Society Day 2013

Am "Tag der Zivilgesellschaft" am 6. März 2013 in Brüssel kamen über 250 Vertreter der Zivilgesellschaft zusammen, um nach Wegen zu suchen, wie junge und alte Menschen in Europa besser über ihre Unionsrechte informiert und stärker ins demokratische Leben der Union einbezogen werden können. Die Teilnehmer riefen die EU-Institutionen dazu auf, die Bürger künftig besser in Aktionen und Kampagnen einzubinden, von denen sie direkt betroffen sind.
Veranstaltet wurde der Tag der Zivilgesellschaft vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) in Zusammenarbeit mit seiner Kontaktgruppe mit den europäischen Organisationen und Netzen der Zivilgesellschaft, mit der Allianz für das Europäische Jahr der Bürgerinnen und Bürger, der Europäischen Kommission und Euronews.

Der Civil Society Day 2013 wurde im Rahmen der "Aktion 3 – Gemeinsam informieren" gefördert.
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Regional nachhaltiges Energiekonzept

Die Marktgemeinde Bad Deutsch-Altenburg (AT) lud im September 2012 ihre italienischen Partnergemeinde Placanica ein, um sich gemeinsam mit den italienischen Gästen über regional nachhaltige Energiekonzepte auszutauschen. Während der Begegnung wurden diverse Windkraft- und Solaranlagen besichtigt und Fachvorträge zum Thema "Erneuerbare Energien und schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen" abgehalten. Außerdem wurden die römische Geschichte und damit die gemeinsamen kulturellen Wurzeln von Bad Deutsch-Altenburg und Placanica mit Vorträgen und Führungen durch Carnuntum gewürdigt. Nicht zuletzt wurde Freiwilligentätigkeit mit einem Besuch der Freiwilligen Feuerwehr Bad Deutsch-Altenburg und einem anschließenden "runden Tisch" mit allen Vereinsvorsitzenden thematisiert. Ziel des Projektes war der interkulturelle Austausch, der Wissenstransfer zum Wohle aller Beteiligten und die Begründung einer langfristigen und damit nachhaltigen Zusammenarbeit beider Gemeinden und Regionen.

Laufzeit: 2012 (Aktion 1, Maßnahme 1.1.)
Fördersumme: 5.000 Euro
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