Europäische Bürgerschaft

Die Stärkung und Förderung der Unionsbürgerschaft erfolgt über das Programm "Europa für Bürgerinnen und Bürger". Ziel der Fördermaßnahmen ist es, den Bürgerinnen und Bürgern ein Verständnis von der Europäischen Union, ihrer Geschichte und ihrer Vielfalt zu vermitteln und die Bedingungen für eine aktive europäische Unionsbürgerschaft zu verbessern. Dies soll u.a. dadurch erreicht werden, dass das gesellschaftliche und interkulturelle Engagement der Bürgerinnen und Bürger von der Europäischen Kommission unterstützt und ihnen damit die Möglichkeit eingeräumt wird, sich am Zusammenwachsen Europas aktiv zu beteiligen.

Europa für Bürgerinnen und Bürger

Mit dem Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“ möchte die EU Behörden, Organisationen, Vereine und Verbände und ihre Projekte unterstützen, die dazu beitragen, dass die Bürger/innen mehr über die EU und politische Entscheidungsprozesse in der Union wissen, ein Bewusstsein für die gemeinsame europäische Geschichte und die gemeinsamen Werte entwickeln, sich an der Gestaltung der EU beteiligen und sich gesellschaftlich und interkulturell engagieren. Das Programm ist in drei Programmbereiche unterteilt: "Europäisches Geschichtsbewusstsein", "Demokratisches Engagement und Bürgerbeteiligung" sowie die bereichsübergreifende Aktion "Valorisierung".

Im ersten Bereich werden Maßnahmen unterstützt, die ein Nachdenken über europäische Werte anregen und die Auseinandersetzung mit den Ursachen totalitärer Regime und anderen wichtigen Momenten in der neueren Geschichte Europas, die die Entstehung der EU bedingt oder entscheidend geprägt haben, fördern.

Im zweiten Bereich werden Bürgerbegegnungen im Rahmen kommunaler Partnerschaften, die Vernetzung von Städten sowie Kooperationsprojekte von Vereinen, Verbänden und anderen Organisationen der Zivilgesellschaft unterstützt, die die Auseinandersetzung mit der EU und den aktuellen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen in Europa anregen.

Der dritte Programmbereich unterstützt Initiativen, die die Übertragbarkeit von Ergebnissen steigern. Im Rahmen des dritten Programmbereichs finanziert die Europäische Kommission Großveranstaltungen. Für diesen Programmbereich ist keine Antragstellung möglich.

Sowohl im ersten als auch im zweiten Förderbereich können Projekte mit Kulturbezug verwirklicht werden.

 

Eckdaten

Wer kann beantragen?

Generell gilt für alle Fördermaßnahmen: Antragsteller und Partner müssen einen eigenen Rechtsstatus haben, nicht-gewinnorientiert sein und ihren Sitz in einem der 28 Mitgliedstaaten oder Mazedonien, Montenegro oder Serbien haben. TeilnehmerInnen dürfen ebenfalls aus den genannten Ländern kommen.  

Für die einzelnen Fördermaßnahmen gelten darüber hinaus weitere Vorgaben:
Programmbereich 1, Europäisches Geschichtsbewusstsein: Öffentliche lokale/regionale Behörden oder Organisationen ohne Erwerbszweck, einschließlich zivilgesellschaftlicher Organisationen, Überlebendenverbände, Kultur-, Jugend-, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie Verbände von Städtepartnerschaften können einen Antrag stellen bzw. Partner werden.

Programmbereich 2, Städtepartnerschaften: Städte/Gemeinden oder deren Partnerschaftsausschüsse oder andere Organisationen ohne Erwerbszweck, die lokale Behörden vertreten können Antragsteller und Partner sein.

Programmbereich 2, Vernetzung von Partnerstädten: Städte/Kommungen oder deren Partnerschaftsausschüsse oder Netzwerke, andere lokale und regionale Verwaltungsebenen, lokale Gemeindeverbände, Organisationen ohne Erwerbszweck in Vertretung lokaler Behördern können Antragsteller und Partner sein. Darüber hinaus können auch zivilgesellschaftliche Organisationen ohne Erwerbsweck als Partner auftreten.

Programmbereich 2, zivilgesellschaftliche Projekte: Organisationen ohne Erwerbszweck, einschließlich zivilgesellschaftlicher Organisationen, Bildungs-, Kultur- und Forschungseinrichtungen können Antragsteller sowie Partner sein. Darüber hinaus können öffentliche lokale/regionale Behörden oder Organisationen ohne Erwerbszweck, Städtepartnerschaftsausschüsse und Netzwerke als Partner agieren.

Was wird gefördert?

Programmbereich 1, Europäisches Geschichtsbewusstsein: Gefördert werden Projekte, die sich mit Ursachen totalitärer Regime befassen, dem Gedenken an die Opfer von Nationalsozialismus und Stalinismus dienen sowie andere Schlüsselmomente der jüngeren europäischen Geschichte aufarbeiten, die die Entstehung der Gemeinschaft bedingt oder entscheidend geprägt haben.

Programmbereich 2, Städtepartnerschaften: Gefördert werden angebahnte oder bestehende Partnerschaften, auch Freundschaften und andere partnerschaftliche Beziehungen zwischen Kommunen, die im Rahmen einer Bürgerbegegnungen gemeinsam an einem Thema von europäischer Relevanz arbeiten.

Programmbereich 2, Vernetzung von Partnerstädten: Gefördert werden Aktivitäten zu einem kommunalpolitischen Thema mit Europa-Bezug. Die Veranstaltungen sollen sich an bestimmte Zielgruppen richten, für die das gewählte Thema wichtig ist sowie eine Basis für künftige Initiativen und Aktionen sein.

Programmbereich 2, zivilgesellschaftliche Projekte: Gefördert werden Projekte, die einen Bezug zu den Politiken der Europäischen Union haben und den Teilnehmern die Möglichkeit geben, konkret an den politischen Entscheidungsprozessen teilzuhaben.

Bewilligungskriterien

Programmbereich 1, Europäisches Geschichtsbewusstsein: An jedem Projekt müssen Organisationen aus mindestens einem Mitgliedstaat teilnehmen. Vorrang erhalten transnationale Projekte.

Programmbereich 2, Städtepartnerschaften: An einem Projekt müssen Kommunen aus mindestens zwei förderfähigen Ländern – mindestens eines davon ein EU-Mitgliedstaat – beteiligt sein sowie mindestens 25 eingeladene Personen teilnehmen. Eingeladene Personen sind diejenigen, die in die das Projekt durchführende Partnerstadt anreisen.

Programmbereich 2, Vernetzung von Partnerstädten: An einem Projekt müssen Kommunen/Organisationen aus mindestens vier förderfähigen Ländern – mindestens eines davon ein EU-Mitgliedstaat – beteiligt sein. Pro Projekt müssen mindestens vier Veranstaltungen durchgeführt werden.

Programmbereich 2, zivilgesellschaftliche Projekte: An einem Projekt müssen Organisationen aus mindestens drei förderfähigen Ländern – mindestens eines davon ein EU-Staat – beteiligt sein. Ein Projekt muss mindestens zwei der drei folgenden Handlungsfelder betreffen:

  • Förderung von gesellschaftlichem Engagement und Solidarität
  • Debatten zur Meinungsbildung und Formulieren von Meinungen
  • Reflexion über und Anregung zu Freiwilligentätigkeit

Finanzielle Aspekte

Das Gesamtbudget für die Programmperiode 2014-2020 beträgt 185,4 Mio. Euro. Davon entfallen etwa 37,2 Mio. Euro auf den ersten Programmbereich, 111,6 Mio. Euro auf den zweiten Programmbereich und 18,6 Mio. Euro auf Programmbereich 3.

Antrags- und Auswahlverfahren

Der Programmleitfaden ist zugleich der Aufruf zur Einreichung von Vorschlägen.
Für eine Antragstellung müssen sowohl Antragsteller als auch Partner sich im Registrierungsportal der Europäischen Kommission (European Commission Authentication Service - ECAS) sowie im Participant´s Portal anmelden, um einen so genannten PIC (Personal Identification Code) zu erhalten. Erst danach ist die Generierung des Antragsformulars möglich. Die Anträge werden über eine Funktion im Antragsformular direkt elektronisch bei der Exekutivagentur Bildung, Audiovisuelles und Kultur (EACEA) eingereicht.
In Abhängigkeit zum Beginn der Maßnahme sind Antragsfristen einzuhalten, die im Programmleitfaden genannt werden.

Rechtsgrundlage

Verordnung (EU) Nr. 390/2014 des Rates vom 14. April 2014 über das Programm „Europa für Bürgerinnen und Bürger“, Amtsblatt der Europäischen Union Nr. L115 vom 17. April 2014, S. 3.

 

Links & Kontakte

Allgemeine Informationen

Programm-Website der EACEA

Bürgerschaftsportal der Europäischen Kommission

Kontaktstelle Deutschland „Europa für Bürgerinnen und Bürger“

Partnersuche über das Twinning-Portal des Rats der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE)

Kontakt/Beratung Deutschland

Nationale Kontaktstelle Deutschland

„Europa für Bürgerinnen und Bürger“
bei der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.
Weberstraße 59a
53113 Bonn
Tel.: 0228 2016721
E-Mail: info@kontaktstelle-efbb.de
Internet


Kontakt/Beratung Österreich

Nationale Kontaktstelle Österreich

 

Europe for Citizens Point Austria

Sanja Corkovic

Bundeskanzleramt

Abt. II/10: Europäische und internationale Kulturpolitik

Concordiaplatz 2, 1010 Wien

Tel.: +43 1 531 15-203695

E-Mail:sanja.corkovic[at]bka.gv[dot]at

Internet

Projektbeispiele

Haus der 1000 Namen

Ziel des Projektes "Haus der 1000 Namen" (HAUS) war es, einen Ort der Erinnerung für bisher unbekannte ehemalige Häftlinge des KZ Leonberg zu schaffen. Während eines einwöchigen Jugendcamps im April/Mai 2013 haben sich 315 Schülerinnen, Schüler und Auszubildende in der KZ-Gedenkstätte Leonberg mit dem Thema Vernichtung durch Arbeit auseinandergesetzt. Dafür sprachen sie u.a. mit Zeitzeugen und gestalteten gemeinsam mit dem Bildhauer Johannes Kares eine Skulptur. Die Jugendlichen haben die Namen von 986 bisher unbekannten Männern, die während des Zweiten Weltkriegs im KZ Leonberg gefangen waren, in Stahltafeln geschlagen. Eingehängt in die Skulptur "das Haus" ergänzen diese Tafeln die Namenswand der KZ-Gedenkstätte. Für bisher Vergessene entstand so ein Ort der Erinnerung.
Durchgeführt wurde das Projekt von der KZ-Gedenkstätteninitiative Leonberg e.V. und fünf Partnern aus Ungarn, Polen, Frankreich, Italien und Deutschland, die sich u.a. damit beschäftigen, Informationen über das Leben der ehemaligen Häftlinge zu recherchieren.

Laufzeit: 2012-2014 (Aktion 4 – Erinnern und Gedenken)
Fördersumme: 23.800 Euro

Europäisches Bürgerradio

Unter dem Motto "Demokratie - regionale Besonderheiten - gemeinsame Vielfalt" will das Europäische Bürgerradio seinen Hörerinnen und Hörern Europa näherbringen und ihnen die Teilnahme am europäischen Integrationsprozess ermöglichen. In zwei Workshop-Camps in Jena (DE) und Tamasi (Ungarn) sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Frankreich, Ungarn und Albanien im Rahmen der Radioproduktion das Gastgeberland und seine Menschen kennenlernen, Sprachbarrieren überwinden und kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten erkennen. Entstehen sollten gemeinsame Radiobeiträge, die im Thüringer Bürgerrundfunk ausgestrahlt und auf der entstehenden Website als Podcast veröffentlicht wurden.
Koordiniert wurde das Bürgerradio-Projekt von den beiden deutschen Partnern Citizen Radio OK-J und der Überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft mit Sitz in Jena/Thüringen, Partner waren das Campus Radio Lille aus Frankreich, die ungarische Fachschule in Tamasi und die albanische Organisation Sanus.

Laufzeit: 2012-2014 (Aktion 2 – Zivilgesellschaft stärken)
Fördersumme: 111.113 Euro
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Civil Society Day 2013

Am "Tag der Zivilgesellschaft" am 6. März 2013 in Brüssel kamen über 250 Vertreter der Zivilgesellschaft zusammen, um nach Wegen zu suchen, wie junge und alte Menschen in Europa besser über ihre Unionsrechte informiert und stärker ins demokratische Leben der Union einbezogen werden können. Die Teilnehmer riefen die EU-Institutionen dazu auf, die Bürger künftig besser in Aktionen und Kampagnen einzubinden, von denen sie direkt betroffen sind.
Veranstaltet wurde der Tag der Zivilgesellschaft vom Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA) in Zusammenarbeit mit seiner Kontaktgruppe mit den europäischen Organisationen und Netzen der Zivilgesellschaft, mit der Allianz für das Europäische Jahr der Bürgerinnen und Bürger, der Europäischen Kommission und Euronews.

Der Civil Society Day 2013 wurde im Rahmen der "Aktion 3 – Gemeinsam informieren" gefördert.
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Regional nachhaltiges Energiekonzept

Die Marktgemeinde Bad Deutsch-Altenburg (AT) lud im September 2012 ihre italienischen Partnergemeinde Placanica ein, um sich gemeinsam mit den italienischen Gästen über regional nachhaltige Energiekonzepte auszutauschen. Während der Begegnung wurden diverse Windkraft- und Solaranlagen besichtigt und Fachvorträge zum Thema "Erneuerbare Energien und schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen" abgehalten. Außerdem wurden die römische Geschichte und damit die gemeinsamen kulturellen Wurzeln von Bad Deutsch-Altenburg und Placanica mit Vorträgen und Führungen durch Carnuntum gewürdigt. Nicht zuletzt wurde Freiwilligentätigkeit mit einem Besuch der Freiwilligen Feuerwehr Bad Deutsch-Altenburg und einem anschließenden "runden Tisch" mit allen Vereinsvorsitzenden thematisiert. Ziel des Projektes war der interkulturelle Austausch, der Wissenstransfer zum Wohle aller Beteiligten und die Begründung einer langfristigen und damit nachhaltigen Zusammenarbeit beider Gemeinden und Regionen.

Laufzeit: 2012 (Aktion 1, Maßnahme 1.1.)
Fördersumme: 5.000 Euro
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